Der traurige Versuch, den PCB-Bestückungsservice von SeeedStudio zu nutzen

Einführung

Vor einiger Zeit wurde bereits über den PCB-Service von SeeedStudio berichtet. Damals ging es “nur” um die Herstellung der Platine selbst.

Vor einigen Tagen erhielt ich erneut eine Anfrage von SeeedStudio, ob ich ihren PCBA-Service testen möchte. Dafür würde mir ein Gutschein im Wert von 50 US-Dollar zur Verfügung gestellt.

Da auch diesmal keine Verpflichtungen oder Einschränkungen damit verbunden waren, sodass ich in meinem Artikel völlig frei schreiben konnte, sagte ich zu.

Obwohl das Ganze letztendlich doch nicht funktionierte, möchte ich meine Erfahrungen teilen.

Vorbereitungen

Zunächst musste eine Platine hergestellt werden. Diese sollte natürlich keine 0815-Platine sein, die mit einfachen, großen SMD-Bauteilen bestückt wird – also etwas, das die meisten auch einfach von Hand löten könnten.

Mein aktuelles Projekt, ein USB-zu-Commodore-1531-Maus-Adapter, passte da perfekt.

Nachdem sich der Prototyp bewährt hatte, wollte ich die Platine ohnehin viel kleiner machen. Diese Gelegenheit bot sich wunderbar an.

Der Delinquent

Ich beließ es bei einer zweilagigen Platine und übertrieb es nicht mit der Miniaturisierung. Ich wählte verschiedene Bauteiltypen, darunter auch ein kleines Bauteil im BGA-Format.

Abgesehen davon verwendete ich Standardkomponenten, die von Hand gelötet werden können (der Pegelwandler im BGA-Format lässt sich sehr einfach mit Heißluft löten).

Daraus erstellte ich die Gerber-Dateien, die auch in normalen Fällen benötigt werden, wenn nur die Platine hergestellt werden soll.

SeeedStudio PCB/PCBA-Service

Die Website wirkt etwas altmodisch und entspricht dem Niveau von vor einigen Jahren, als gerade der Boom der asiatischen PCB-Hersteller begann.

Auch technisch ist das Ganze leider sehr veraltet. Nicht einmal die Abmessungen der Platine werden aus den Gerber-Dateien gelesen. Diese müssen von Hand eingegeben werden.

Der Encoder-Viewer ist ebenfalls völlig unbrauchbar. Es macht keinen Spaß, die GUI zu benutzen, vor allem, da man bei einem falschen Klick wieder von vorne anfangen muss.

Viele Funktionen sind gegen Aufpreis verfügbar. Daher ist Vorsicht geboten, was angeklickt wird. Viele Dinge, die bei anderen Dienstleistern mittlerweile im Standardpreis enthalten sind, kosten hier extra.

Deshalb habe ich zuerst keine anderen Farben oder Funktionen ausgewählt.

Für diese Platine musste ich jedoch die Lochgröße für ein VIA unter dem BGA auf 0,2 mm einstellen. SeeedStudio kann solche kleinen Bohrdurchmesser anbieten. Es gibt auch einen extra Punkt, wo dies ausgewählt werden kann.

Als sich der Preis dann “leicht” änderte, musste ich tief durchatmen.

Knapp 55 US-Dollar sind eine beträchtliche Summe für eine Platine, die nur 36 x 19 mm misst und nur zwei Lagen hat.

Ehrlich gesagt, für diesen Preis kann man bei anderen Anbietern mehrlagige Platinen mit zusätzlichen Funktionen bekommen.

Vom Preis her wäre das für mich eigentlich das Ende gewesen. Aber ich machte trotzdem weiter.

Jetzt kommt der wirklich interessante Teil, der wichtig ist und eigentlich getestet werden sollte.

PCB-Bestückung

Nachdem die Gerber-Dateien hochgeladen und die Parameter entsprechend eingestellt wurden, muss man nur noch ein Stück nach unten scrollen. Dort findet sich der Punkt “PCB Assembly”.

Der erste Abschnitt erfordert zusätzliche Dateien, die einfach aus dem Layout-Programm exportiert werden. Entsprechende Anleitungen für die jeweiligen Programme sind über die Links auf der SeeedStudio-Seite zugänglich.

Zusätzlich ist es von Vorteil, Fotos oder 3D-Bilder eines Prototyps hinzuzufügen. Jede Information oder Besonderheit kann hilfreich sein.

Es muss also etwas Arbeit investiert werden, mit ein paar verfügbaren Dateien ist es leider nicht getan.

Alle Informationen werden in einer ZIP-Datei zusammengepackt und auf der Website hochgeladen.

Bauteile

Nun wird eine Stückliste benötigt. Je nach verwendeter Software kann diese Datei entweder exportiert oder manuell erstellt werden.

Dazu kann eine Vorlage im Excel-Format heruntergeladen werden.

Die Liste ist recht einfach aufgebaut. Es muss nur die Herstellerteilenummer herausgefunden und der Link zum Lieferanten angegeben werden. Natürlich auch die Anzahl und der Designator.

SeeedStudio bietet auch Bauteile unter ihrem “Open Part Libraries“-Service an. Es können jedoch auch Teile von verschiedenen Lieferanten ausgewählt werden. Die einzige Voraussetzung ist, dass diese zeitnah verfügbar sind und keinen rechtlichen Einschränkungen (Exportverbote etc.) unterliegen.

Obwohl nicht empfohlen, können eigene Teile an SeeedStudio gesendet werden, die dann für die Pick’n’Place-Maschinen verwendet werden können.

Zusammenstellung der Bauteilliste

Da alle Bauteile, Footprints und 3D-Modelle selbst erstellt werden, besteht der Vorteil darin, dass hinter jedem Bauteil bereits eine Herstellernummer und ein Link hinterlegt sind. Es musste lediglich die Bauteilliste exportiert und unnötige Spalten gelöscht werden.

Ansonsten bleibt nur der mühsame Weg, sich durch die Distributoren zu kämpfen, Teilenummern und Links zu den Bauteilen herauszuschreiben.

Dabei immer darauf achten, dass die Bauteile verfügbar sind, sonst wird die Bestellung von SeeedStudio abgelehnt.

Vor dem Ausfüllen der Liste wurde überprüft, ob alle Bauteile auch auf Lager sind.

Die Liste war schnell erstellt und enthielt Teile von Digikey, Mouser und auch vom SeeedStudio OPL-Service.

Die Preise beim SeeedStudio OPL sind generell höher als bei den üblichen Distributoren. Aber die Lieferzeit ist auch schneller, da die Teile vor Ort verfügbar sind.

Teile, die bestellt werden müssen, dauern natürlich länger.

Vor allem bei kleinen Teilen ist der Aufpreis nur marginal und besonders bei Einzelstücken vernachlässigbar.

Die Excel-Liste wird nach Fertigstellung einfach wieder hochgeladen, und die Anzahl der zu bestückenden Platinen muss angegeben werden.

Da der Arbeitsaufwand und die damit verbundenen Kosten unabhängig von der Anzahl der Platinen sind, ist die Produktion einer einzelnen Platine natürlich teurer. Sobald die Maschine eingerichtet ist, können 10, 100 oder mehr Platinen durchlaufen. Abgesehen von den zusätzlichen Bauteilen fällt jedoch keine weitere Arbeit an. Die Kosten sinken dann oder die Einrichtungskosten werden auf die Anzahl der bestückten Platinen umgelegt, was die jeweilige Einzelplatine günstiger macht.

Bis auf zwei Bauteile wurden alle anderen Komponenten korrekt erkannt. Anscheinend sind die Teilenummern nicht in der Datenbank von SeeedStudio gespeichert.

Der Preis konnte somit nicht im Voraus ermittelt werden, sondern muss manuell von einem Mitarbeiter berechnet werden.

Liste erfolgreich hochgeladen

Nach dem erfolgreichen Hochladen wurden die Positionen erneut überprüft.

Dabei stellte sich heraus, dass nicht die Komponentenpreise von Digikey oder Mouser in diese Liste aufgenommen wurden, sondern alle Bauteile, die SeeedStudio ebenfalls anbietet, ersetzt wurden.

Das erklärt auch, warum die beiden oberen Komponenten nicht gefunden wurden. Diese sind einfach nicht in der „OPL“ verfügbar. Es erfolgt keine Online-Recherche.

Da diese Preise bereits im Warenkorb enthalten sind, muss der höhere Preis gezahlt werden.

Ein Artikel ist mir besonders ins Auge gefallen.

Pfennigfuchser

Ich bin also wirklich kein Pfennigfuchser. Ich habe auch nichts gegen bestimmte Zuschläge. Aber wenn man sich zum Beispiel die Preise von Digikey anschaut, dann wird einem schon schlecht.

Dieses Bauteil allein kostet dreimal so viel wie üblich auf dem Markt (Digikey war dabei nicht einmal der günstigste Anbieter).

Es lag auch nicht daran, dass das Bauteil bei Digikey nicht verfügbar war. Mehrere andere Teile wurden ebenfalls ausprobiert und stets wurde der teurere SeeedStudio-Preis berechnet.

Zudem scheint es keine Mengenrabatte zu geben, zumindest nicht ab 10 Stück oder mehr, wie es bei den meisten Distributoren üblich ist.

SeeedStudio scheint der teuerste Bauteillieferant zu sein. Zumindest konnte in kurzer Zeit kein teurerer Anbieter gefunden werden.

Der Preisschock

Es wurde eine Summe von 265,52 US-Dollar aufgerufen.

Selbst wenn die Bauteilkosten von 39,40 US-Dollar herausgenommen werden, bleiben 226,12 US-Dollar übrig.

Bemerkenswert ist, dass sich der Preis der Platine ebenfalls enorm erhöht hat. Von 54,90 US-Dollar auf 84,90 US-Dollar, also fast 30 US-Dollar mehr.

ENIG wurde automatisch ausgewählt, als der PCBA-Service aktiviert wurde. Es ist auch nicht möglich, zur wesentlich günstigeren HASL-Veredelung zurückzukehren.

In den FAQ findet sich der Hinweis, dass mit PCBA grundsätzlich nur ENIG möglich ist.

Dies wären die kleinsten und teuersten ENIG-Platinen, die je hergestellt wurden. Für Multilayer-Platinen mit noch engeren Toleranzen wurde bei einem Mitbewerber weniger bezahlt.

Kostenübersicht für den Bestückungsservice

Ein Blick auf die Kosten im Detail:

  • Einrichtungskosten
  • Verbrauchsmaterialkosten
  • Bestückungskosten
  • Bauteilkosten
  • Bearbeitungsgebühr

Die Einrichtungskosten betragen 50 US-Dollar, was vollkommen in Ordnung ist. Die Rollen mit den Bauteilen müssen eingelegt, die Schablone gespannt und vieles mehr gemacht werden. Diese Kosten sind durchaus vertretbar.

Die Materialverbrauchskosten beinhalten unter anderem die Kosten für die Schablone sowie Verpackungsmaterialien usw. Eine separate Schablone wird jedoch nicht für die eigene Platine produziert. Stattdessen wird eine Schablone für das gesamte Panel hergestellt, die mit anderen Kunden geteilt wird.

Die Bestückungskosten sind mit 41,22 US-Dollar sehr hoch. Bei einer Platine mit einer Größe von nicht einmal 4×2 cm würden sich die Bestückungskosten für ein Panel auf mehrere tausend Dollar belaufen.

Es ist günstiger, die Platinen von Hand bestücken zu lassen. Angesichts der Produktionsstätte und der dortigen Arbeitskosten ist dieser hohe Preis unverständlich.

Die Bearbeitungsgebühr umfasst Handhabungsgebühren und eine bescheidene Gewinnspanne. Insgesamt wären das 35 US-Dollar.

Alles in allem

Insgesamt ergibt sich eine Summe von 265,22 US-Dollar für eine bestückte und neun unbestückte Platinen. Würden alle zehn bestückt, wären es 611,74 US-Dollar. Nicht nur die Bauteilkosten steigen, sondern auch die „Zusatzkosten“.

Selbst mit einem Einzelpreis von knapp 20 US-Dollar für die Herstellung eines USB-Maus-Adapters, welcher letztendlich auch mit einer Schablone und der Lötpaste hergestellt wird, ist der Prozess überschaubar. Ähnliche Adapter sind von anderen Anbietern bereits für rund 30 US-Dollar erhältlich.

Trotzdem wurde die Bestellung im Warenkorb platziert. Eine Rückmeldung erfolgte erst nach einigen Tagen, da SeeedStudio offenbar am Wochenende nicht arbeitet.

Die Rückmeldung war leider nicht positiv, da zwei Komponenten nicht verfügbar sind und ein Lieferant gefunden werden sollte.

Ein hin und her per E-Mail folgte. Einerseits ging es um den Austausch der teuren eigenen Komponenten, andererseits um die Bereitschaft, für den Test eine weitgehend kostenneutrale Abwicklung zu erwarten.

Von SeeedStudio gab es keinerlei Zugeständnisse.

Fazit

Letztlich wurde die Bestellung nicht abgeschickt. Der PCBA-Service von SeeedStudio wird persönlich sicherlich nicht mehr genutzt.

Ein Vergleich mit einem anderen großen Dienstleister zeigte, dass dieser Service auch viel günstiger ist.

Die Qualität der unbestückten Platinen von SeeedStudio war in Ordnung, aber nicht besonders herausragend.

Angesichts der hohen Preise und der langen Lieferzeit sowie der veralteten Website ist der Service für Hobbyisten ungeeignet. Auch die zusätzlichen Dateien werden für die meisten unlösbare Schwierigkeiten darstellen.

Der Service war enttäuschend, da viele Antworten immer gleich und wie Makros wirkten. Vieles wurde nicht einmal angesprochen.

0 Comments
Älteste
Neueste
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Nach oben scrollen