Sicherlich erinnert sich der eine oder andere noch an seinen Taschenrechner aus Schulzeiten. Insbesondere die Älteren unter uns, die ein echtes Stück Technik in ihrer Schultasche trugen. Damals waren sie vielleicht noch nicht so elegant und mit vielen Funktionen ausgestattet, aber sie sind ein Stück Technikgeschichte. Es gab noch keine Farbbildschirme, geschweige denn Touchscreens. Selbst die LCD-Technik war noch nicht serienreif. Es wurden auch keine Formeln oder Brüche angezeigt. Damals musste man sich noch ein wenig mit der Materie auskennen und vor allem die Grundlagen der Mathematik beherrschen. Der Taschenrechner sollte nicht das Wissen ersetzen, sondern bei wiederkehrenden Arbeitsschritten das Leben erleichtern.
Ich höre schon die Jahrgänge vor uns, die noch mit Rechenschiebern und Logarithmentafeln arbeiten mussten. Um ehrlich zu sein, bin ich froh, dass dies damals schon Geschichte war. In der Schule war es nicht unbedingt etwas Besonderes, einen solchen Taschenrechner zu besitzen, aber preiswert war dieses Vergnügen damals nicht. Ich kann nicht mehr genau sagen, wie teuer er war, aber es müssten gut 400 bis 500 DM gewesen sein. Verglichen mit der heutigen Kaufkraft wäre dies schon ein Smartphone der Oberklasse gewesen. Heute bekommt man für unter 100 Euro schon Taschenrechner, von denen hätten wir damals nicht einmal geträumt.
Aber zurück zum eigentlichen Thema. Nachdem ich den Taschenrechner aus einer alten Grabbelkiste geborgen und halbwegs sauber gemacht hatte, fiel mir der Akku auf. Die lange Lagerzeit hatte ihm übel mitgespielt, und er war nicht mehr zu retten. Da dieser Akkublock aber nur aus handelsüblichen ‘Mignon’-Akkuzellen besteht, ist ein Austausch kein großes Problem.
Als erstes musste ich den Rechner aus seinem Gehäuse befreien. Das ging erstaunlich gut, nur zwei Schrauben mussten gelöst werden. Danach ließ sich die Rückseite ohne Probleme abnehmen. Dann mussten vier Schrauben von der Magnetkartenleseeinheit entfernt werden, und die Leiterplatte konnte vorsichtig herausgenommen werden.

Trotz des Alters von gut 40 Jahren ist die Platine erstaunlich gut erhalten. Nach einer gründlichen Reinigung und einer Sichtprüfung gibt es zumindest visuell nichts zu beanstanden. Der ausgelaufene Akku hat keinen Schaden angerichtet, und da der Taschenrechner sehr trocken gelagert wurde (wenn auch nicht absichtlich), sind auch keine anderen Schäden aufgetreten. Daher habe ich zuerst mit einem Multimeter die Platine auf Kurzschlüsse überprüft.
Auch hier gab es zunächst nichts Besonderes festzustellen. Zumindest beim ersten Block sah alles gut aus.
Der Akkublock bestand aus 3 NiCd-Zellen mit jeweils 1,2V, also insgesamt 3,6V. Da ich keinen entsprechenden Akku schnell auftreiben konnte, habe ich zunächst mein Labornetzteil angeschlossen.

Ich habe das Servicehandbuch aus dem Internet heruntergeladen, in der Hoffnung, dort den erwarteten Stromverbrauch zu finden. Leider vergeblich. Nun, zunächst habe ich den Strom langsam auf 200mA erhöht. Wenigstens begann der Motor des Magnetkartenlesers zu laufen. Obwohl eigentlich auch nicht gut, denn er sollte nicht von selbst anlaufen.
Im Servicehandbuch steht, dass der TI-59 mit 3 Spannungen arbeitet. Einmal die 3,6V der Batterie, und dann zwei negative Spannungen von -10V und -16V. Diese können ganz einfach am Modulschacht gemessen werden.
Dort waren aber nur -7V und -9V zu messen. Es scheint also etwas defekt zu sein. Zum Glück gibt es im Servicehandbuch einen Schaltplan, aber leider nicht von guter Qualität. Zum Glück fand ich im Internet das Dokument “TI59 HW Annotations”. Dort hatte jemand den Schaltplan neu gezeichnet. Vor allem das Powermodul, das im Servicehandbuch fast nicht zu erkennen war, konnte ich nun problemlos analysieren.
Also lötete ich zunächst das Power Modul aus.

Ein kleines feines Modul, das aus den 3,6V des Akkublocks, die beiden benötigten negativen Spannungen erzeugt. Dieses wiederum an das Labornetzteil angeschlossen, ergab das gleiche Ergebnis. Was auf dem Bild (linke Seite) zu sehen ist, der kaputte Widerstand, war im eingebauten Zustand im ersten Moment nicht zu erkennen. Denn auf der rechten Seite sind normalerweise 3 Transistoren, die ich für den Test ausgelötet hatte. Da es auf dieser kleinen Platine recht eng ist, hatten die Transistoren das eigentliche Problem verdeckt.
Also habe ich den Widerstand ersetzt, das Labornetzteil wieder angeschlossen und die Spannungen gemessen.
Jetzt sah es gut aus, es waren -15,5V an Vgg und 9,8V an Vdd. Alles innerhalb der Spezifikationen, die laut TI von -15,3V bis 16,3V bei Vgg und für Vdd von 9,5V bis 10,5V liegen. Also lötete ich das Modul wieder ein und wiederholte den Test von vorhin.
Leider wieder negativ, und diesmal zeigt das Netzteil einen Kurzschluss an. Das wäre jetzt auch zu einfach gewesen.
Also lötete ich das Powermodul wieder aus und prüfte es erneut. Es befinden sich 3 Kondensatoren auf dem Modul, zwei davon sind Tantalkondensatoren, die gute 40 Jahre hinter sich haben. Also erstens raus damit und überprüft. Und der zweite, auf dem Bild der braune Tantal mit 33µF hatte einen Kurzschluss. Also habe ich ihn ausgetauscht und das Modul erneut getestet und danach wieder eingelötet.
Jetzt sah es viel besser aus.

Auf dem Display ist jedoch ein Fehler zu sehen. Es fehlen zwei Segmente der 3. Stelle. Nun, damit muss ich wohl leben. Ich werde versuchen, irgendwo ein Ersatzdisplay aufzutreiben, aber ich bin da nicht sehr hoffnungsvoll. Wenigstens läuft das gute Stück jetzt wieder. Irgendwie ist es ein schönes Gefühl, ein so altes Gerät wieder zum Leben erwecken zu können. Und es ist erstaunlich, dass die Technik die Jahrzehnte ohne größere Schäden überstanden hat, zumal ich den Rechner während meine Schulzeit nicht immer sehr pfleglich behandelt habe.

Für die damalige Zeit war das schon ein toller Rechner. Und er war nicht nur programmierbar, sondern hatte verschiedene Möglichkeiten, die Programme zu speichern, bzw. wieder abzurufen. Zum einen gab es ein sogenanntes “CROM”, welches ab Werk eingebaut war und bereits diverse kleine Programme und sogar “Spiele” enthielt. Ich schreibe Spiele in Anführungszeichen, weil sie nicht mit den heutigen Spielen vergleichbar waren. Es waren eher kleine Spiele, wie z.B. “Rate eine Zahl”, etc. Damals aber ein großer Spaß und schon etwas besonderes.
Interessanter waren Programme für Zinsberechnungen oder wissenschaftliche Berechnungen. Zusätzlich war der Rechner mit frei erhältlichen Speichermodulen erweiterbar.

Auf der Rückseite des Rechners befand sich ein Modulschacht. In diesen konnte man dann die gekauften Module einstecken, ähnlich wie bei Spielekonsolen. Diese Module gab es für verschiedene Bereiche und Anwendungen. Ich persönlich habe keines davon wirklich gebraucht. Ich kann nicht einmal sagen, ob dieses Modul dem Rechner beilag, oder ob ich dieses später bekommen habe.
Nun war dieser Taschenrechner programmierbar. Man konnte also kleine Programme schreiben, die einem das Leben leichter machen konnten. Vor allem wiederkehrende Abläufe waren so immer schnell abrufbar. Und damit man verschiedene Programme, oder auch entsprechende Daten dazu, immer wieder aufrufen konnte, waren diese Programme nicht nur im Akku gepufferten RAM vorhanden, sondern man konnte diese auf kleinen Magnetstreifenkarten speichern.

So hatte man seine wichtigsten Programme und Daten immer zur Hand, auch wenn der Akku mal wieder leer war (und damit alles, was im RAM gespeichert war, in Daten Nirwana verschwand). Um das Programm aufzurufen, musste man die Karte nur seitlich in den Magnetleser einführen. Die Karte wurde dann von einem Motor durchgezogen und kam auf der anderen Seite wieder heraus.

Für die damalige Zeit, und wir sprechen hier von Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre, war dies ein großartiges Stück Technik. Sicherlich war HP damals viel fortschrittlicher und noch besser ausgestattet, aber preislich war es eine ganz andere Klasse (und diese Budgeterweitung beim Haushaltsvorstand, sprich den Eltern, nicht verhandelbar). Davon hat man nicht einmal zu träumen gewagt.
Als nächstes werde ich versuchen, den Rechner optisch auf Vordermann zu bringen und ihm einen neuen Akku zu verpassen. Da es sich um normale AA-Zellen handelt, ist dies kein großes Problem. Der Akkukäfig war voller Säurerückstände, hat aber zum Glück sonst keinen Schaden genommen. Ich muss also nur 3 neue Zellen einbauen und der Rechner ist fast wie neu.
