Nachbildung des REX 9628 External Kernel 8 Modul

Einführung

Die ehemalige Firma Rex Datentechnik war in den 80er Jahren Hersteller vieler Hardware-Komponenten. Besonders für den Commodore 64 gab es eine reiche Auswahl an verschiedensten Erweiterungen. Eine dieser Karten war die Rex 9628, eine Platine für den Erweiterungsport des C64. Diese Karte konnte zwei EPROMs von 8 bis 64 KByte aufnehmen. Das allein war nicht besonders, denn es gab bereits damals unzählige Hersteller mit unterschiedlichsten Angeboten.

Das Praktische an dieser Karte war, dass sie bis zu 8 Kernel-ROMs aufnehmen konnte, jeweils bis zu 4 in einem 27C256 EPROM, und zwei davon konnten auf die Platine gesteckt werden. Dafür musste das Gehäuse des C64 nicht geöffnet werden. So war es möglich, einen anderen Kernel extern zu verwenden, ohne Eingriffe vornehmen zu müssen. In den 80er Jahren gab es viele verschiedene Kernel, zum Beispiel SpeedDOS und JiffyDOS.

Originalversion

Bereits in den 80er Jahren gab es Kopien dieser Karte, die sich immer leicht voneinander unterschieden. Es war nicht möglich, Bilder von Vorder- und Rückseite einer einzigen Kopie zu bekommen. Das obige Bild zeigt eine dieser Nachbildungen.

Natürlich ist ein Bild einer bestückten Platine nur bedingt geeignet, um alle Leiterbahnen zu erfassen. Aber glücklicherweise fand sich im Internet ein Bild einer unbestückten Platine, genau von der oben gezeigten Version.

Vorderseite unbestückt

Das war jedoch nur die sprichwörtliche halbe Miete, denn ohne die Rückseite wäre es viel aufwendiger, ein neues Layout zu erstellen. Aber auch hier war Glück im Spiel, da ein Nutzer eines Forums noch eine solche Platine besaß und ein Bild der Rückseite schickte.

Rückseite unbestückt

Bei genauer Betrachtung zeigt sich, dass sich diese Version leicht in der Verteilung der Bauteile unterscheidet. Ein einfaches Überlagern dieser beiden Versionen und deren Nachzeichnung funktionierte leider nicht. Besonders da eine 1:1 Replik nicht möglich war. Es scheint, dass die Rückseite ein originales Rex-Produkt ist, während die Vorderseite eine spätere Nachbildung ist. Und ohne eine saubere Vorderseite einer originalen Karte ist eine 1:1 Replik leider nicht möglich.

Was jedoch möglich war, ist die Erstellung eines neuen Layouts. Um es etwas einfacher zu gestalten, wurden, soweit möglich, die beiden Platinenbilder übereinandergelegt und eine angepasste “Replik” erstellt. OK, es war keine Replik im eigentlichen Sinne mehr, da hier zwei Platinen gemischt wurden. Aber es kam der alten Version immer noch am nächsten.

So entstand die erste Version einer neuen Platine.

Layout neu gezeichnet

Natürlich konnten daraus entsprechende Gerber-Dateien erstellt werden. Aber da nun ohnehin keine 1:1 Replik möglich war, wurde eine neue Version erstellt. Die Ableitung des Schaltplans war jetzt kein Problem mehr, eher eine Art Detektivarbeit. Aber auch das war schnell erledigt und so war der Schaltplan schnell verfügbar.

Schaltplan

Daraus wurde dann eine Platine erstellt. Eine erste 3D-Ansicht sah bereits vielversprechend aus.

3D Ansicht der Platine

Die resultierenden Gerber-Dateien wurden an den Platinenlieferanten JLCPCB übergeben. Nun hieß es, etwa 3 Wochen zu warten, bis die sehnsüchtig erwarteten Platinen endlich per Post geliefert wurden.

Wie immer lieferte JLCPCB eine gewohnt gute Qualität. Die Platinen sind einwandfrei und können als nächstes bestückt werden.

Fertige Platine

Es gibt nicht viele Komponenten und es ist eigentlich nichts Besonderes zu beachten. Nur IC5 muss direkt gelötet werden, da er sich innerhalb des Sockels von St.1 befindet, wo später eines der EPROMs seinen Platz findet. Dafür muss der mittlere Teil des Sockels ausgeschnitten werden. Am besten geht das mit einem scharfen Cutter-Messer. Versuche, dies mit einem Seitenschneider zu tun, enden oft damit, dass der Sockel zerbricht und unbrauchbar wird.

Die Bestückung erfolgt wieder von klein nach groß. Zuerst die Kondensatoren, dann IC5 (74LS00). Danach kommen die Sockel an die Reihe. Dann der Drucktaster und schließlich die beiden DIP-Schalter. Anschließend können die einzelnen ICs in die Sockel gesteckt werden.

Fertig bestückte Platine

Nun ist die Platine bestückt, es fehlt nur noch mindestens ein EPROM, das mit dem gewünschten Kernel ausgestattet werden sollte.

Folgende EPROMs können verwendet werden:

  • 27C64 = 64 Kilobit = 8 Kilobyte = 1 Kernel
  • 27C128 = 128 Kilobit = 16 Kilobyte = 2 Kernel
  • 27C256 = 256 Kilobit = 32 Kilobyte = 4 Kernel

Statt eines EPROMs kann auch ein EEPROM verwendet werden (28Cxxx Serie). Dies hat den Vorteil, dass keine UV-Lampe zum Löschen benötigt wird und es direkt mit einem EPROM-Programmiergerät gelöscht werden kann.

Ein Kernel hat die Größe von 8 Kilobyte, was im Dateisystem 8192 Bytes entspricht. Angenommen, das EPROM wird auf einem PC mit einem entsprechenden „EPROM Writer“ beschrieben, wie dem beliebten TL866A, dann hat die Datei die richtige Größe.

Manchmal findet man jedoch Kernel-Dateien im Internet, die 8194 Bytes groß sind. Dann ist die Ladeadresse in den ersten beiden zusätzlichen Bytes enthalten. Dies ist notwendig, wenn eine solche Datei mit einem Erpommer auf einem C64 geschrieben werden soll. Wenn nur eine solche Datei vorliegt, können die ersten beiden Bytes einfach mit einem HEX-Editor abgeschnitten werden, sodass wieder eine Datei mit der Größe von 8192 Bytes entsteht.

Verwendet man ein 27C64 EPROM, kann diese Datei direkt in das EPROM geschrieben werden. Möchte man jedoch 2 oder mehr Kernel in einem EPROM haben, müssen die einzelnen Dateien zu einer Datei kombiniert werden.

Zum Beispiel sollen die beiden Kernel-Dateien „kernel1.bin“ und „kernel2.bin“ in eine gemeinsame Datei „eprom.bin“ zusammengeführt werden.

Unter Windows geht das in der Eingabeaufforderung wie folgt:

copy /b kernel1.bin + kernel2.bin eprom.bin

Unter Linux in der Shell:

cat kernel1.bin kernel2.bin > eprom.bin

Dies kann auch mit 4 Kernel auf diese Weise gemacht werden. Die Datei muss am Ende bei 2 Kernels 16.384 Bytes groß sein, bei 4 Kernels entsprechend 32.768 Bytes. Kommt eine andere Byte-Größe heraus, ist etwas schiefgelaufen und der Vorgang sollte wiederholt werden. Wenn der Wert stimmt, kann die Datei in ein entsprechendes E(E)PROM geschrieben und dann in den Sockel St.1 oder St.2 auf der Platine gesteckt werden.

Wer kein EPROM zu Hand kann, kann dieses mit folgendem Bauvorschlag auch emulieren: EPROM emulieren statt brennen

Update (2021-03-30) / Download

Auf dem GitHub-Account befinden sich alle Dateien, die zum Nachbau dieser Karte benötigt werden. Die Karte wurde mittlerweile auch etwas aktualisiert, da der Taster unter anderem schwer zu bekommen ist: Codeberg-Link

0 Comments
Älteste
Neueste
Nach oben scrollen