Eine Multiboot-USB-Stick-Einrichtung mit Ventoy bietet eine vielseitige Lösung, um mehrere Betriebssysteme oder Anwendungen von einem einzigen USB-Stick aus zu starten. Ventoy ist ein Open-Source-Tool, das es ermöglicht, ISO-Dateien direkt auf den USB-Stick zu kopieren, ohne sie vorher zu extrahieren oder zu bearbeiten. Dadurch können Benutzer schnell und einfach verschiedene Betriebssysteme wie Linux-Distributionen, Windows-Installationsmedien und Diagnose-Tools auf einem einzigen USB-Stick verwalten. In dieser Anleitung werden wir die Schritte zur Einrichtung eines Multiboot-USB-Sticks mit Ventoy erläutern, um eine flexible und praktische Lösung für verschiedene Anforderungen an tragbare Betriebssysteme zu bieten.
Inhalt
1. Einleitung
Das Tool kann man auf der Webseite des Ventoy Projektes kostenlos heruntergeladen werden. Es gibt sowohl eine Installationsroutine für Windows, als auch Linux. Sogar eine Betriebssystem unabhängige Live-CD kann dort herunter geladen werden. Denn gerade Windows hat die eine oder andere Restriktion, die das direkte ansprechen von Hardware verhindern. Wer also Probleme hat, mit dem Installer einen USB-Stick einzurichten, kann einfach die Live-CD booten und darüber sich diesen USB-Stick erstellen.
Ich beschreibe hier die Linux Version. Das hier gesagte kann aber auch auf die Windows Version übertragen werden.
2. Einrichtung
2.1 Datei entpacken
Nachdem man die Datei heruntergeladen hat, wird als erstes die Datei entpackt (Der Dateiname ist entsprechend der aktuellen Version):
$ tar -xvf ventoy-1.0.28-linux.tar.gz
Beim entpacken wird ein der Version entsprechendes Verzeichnis angelegt, in dieses man nun wechselt:
$ cd ventoy-1.0.28
Dort finden sich die entpackten Dateien:
drwxr-xr-x 2 dirk dirk 4096 14. Nov 2020 boot -rwxr-xr-x 1 dirk dirk 1529 14. Nov 2020 CreatePersistentImg.sh drwxr-xr-x 3 dirk dirk 4096 14. Nov 2020 plugin -rw-r--r-- 1 dirk dirk 1411 14. Nov 2020 README drwxr-xr-x 2 dirk dirk 4096 14. Nov 2020 tool drwxr-xr-x 2 dirk dirk 4096 14. Nov 2020 ventoy -rwxr-xr-x 1 dirk dirk 1313 14. Nov 2020 Ventoy2Disk.sh
2.2 USB-Stick Device herausfinden
Jetzt steckt man den USB-Stick in einen freien USB Port. Wenn nicht bekannt ist, unter welcher Device Bezeichnung das Laufwerk geführt wird, kann sich mit folgendem Befehl eine Übersicht aller Laufwerke ausgeben lassen:
$ lsblk
Hat man allerdings sehr viele Laufwerke, kann man hier den Überblick etwas verlieren. Ansonsten kann man auch direkt nach dem einstecken des USB Stick sich die System Meldungen anschauen:
$ sudo dmesg | tail -30
Damit werden die letzten 30 Zeilen des Logs ausgegeben. Und dort sollte sich am Schluss eine Ausgabe, ähnlich der folgenden erscheinen:
[15984.284260] usb 4-3: new SuperSpeed USB device number 2 using xhci_hcd [15984.306731] usb 4-3: New USB device found, idVendor=090c, idProduct=1000, bcdDevice=11.00 [15984.306738] usb 4-3: New USB device strings: Mfr=1, Product=2, SerialNumber=3 [15984.306740] usb 4-3: Product: USB Flash Disk [15984.306742] usb 4-3: Manufacturer: General [15984.306743] usb 4-3: SerialNumber: 0108000000007337 [15984.881262] usb-storage 4-3:1.0: USB Mass Storage device detected [15984.881425] scsi host10: usb-storage 4-3:1.0 [15984.881551] usbcore: registered new interface driver usb-storage [15984.883528] usbcore: registered new interface driver uas [15986.574429] scsi 10:0:0:0: Direct-Access General USB Flash Disk 1100 PQ: 0 ANSI: 6 [15986.574674] sd 10:0:0:0: Attached scsi generic sg1 type 0 [15986.574936] sd 10:0:0:0: [sdb] 126025728 512-byte logical blocks: (64.5 GB/60.1 GiB) [15986.575072] sd 10:0:0:0: [sdb] Write Protect is off [15986.575073] sd 10:0:0:0: [sdb] Mode Sense: 22 00 00 00 [15986.575209] sd 10:0:0:0: [sdb] Write cache: disabled, read cache: enabled, doesn't support DPO or FUA
Natürlich weichen diese Angaben bei jedem USB Stick etwas ab, was Größe, Hersteller, usw. angehen. Aber wichtig ist die Angabe [sdb] in diesem Beispiel. Der USB-Stick hört also auf den Namen /dev/sdb. Es könnte auch [sda], [sdc], etc. sein. Das ist abhängig davon, ob schon andere Devices im Rechner vorhanden sind.
Wichtig ist, dass der USB-Stick nicht gemountet ist.
2.3 Ventoy installieren
Dann wird als nächstes auf den Stick das Ventoy Tool installiert (in meinen Fall das Device /dev/sdb):
$ sudo sh Ventoy2Disk.sh -i /dev/sdb
Alle Daten auf dem Stick werden gelöscht, dann zwei Partitionen angelegt, diese formatiert und das Tool installiert.
Das Tool selber, befindet sich auf der zweiten Partition und wird später als Bootpartition benutzt. Auf der ersten Partition befindet sich ein Verzeichnis mit dem Namen “ISO”. Dort werden dann die ISO Images einfach kopiert.
3. Neustart
Und das war auch schon alles, was gemacht werden muss. Wenn man nun den Rechner neu startet, und diesen USB-Stick auswählt, erscheint ein Bootmenü, wo die einzelnen ISO Images zur Auswahl angeboten werden. Je nach BIOS muss man zum Beispiel die Taste <F12> beim Starten drücken. Bei anderen ist es die <ENTF> Taste. Dann sollte ein Menü erscheinen, wo u.a. der USB Stick angezeigt wird.
4. Optionale Konfiguration
Es ist möglich, das Bootmenü um weitere Funktionen zu erweitern. Zum Beispiel kann man den ISO Images sprechende Namen geben, oder die Sprache umstellen. Dazu legt man auf der ersten Partition ein weiteres Verzeichnis “ventoy” an (Danach hat man dann im Wurzelverzeichnis die Verzeichnisse ISO und ventoy). und in diesem Verzeichnis legt man die Datei “ventoy.json” an:
{
"control":[
{ "VTOY_DEFAULT_KBD_LAYOUT": "GERMAN" },
{ "VTOY_MENU_LANGUAGE": "de_DE" }
],
"menu_alias":[
{
"image": "/ISO/debian-10.5.0-amd64-DVD-1.iso",
"alias": "Debian 10.5 \"Buster\" amd64"
},
{
"image": "/ISO/debian-live-10.5.0-amd64-kde.iso",
"alias": "Debian 10.5 KDE Live-CD amd64"
},
{
"image": "/ISO/ubuntu-20.10.1-desktop-amd64.iso",
"alias": "Ubuntu 20.10.1 \"Groovy Gorilla\" amd64"
}
]
}Hier ist zum einen die Sprache und die Tastatur auf Deutsch eingestellt worden. Und den 3 ISO Images habe ich eine Bezeichnung verpasst: Es gibt noch weitere Einstellungen, die vorgenommen werden können. Es sind sogar automatische Konfigurationen möglich, dass das ISO Image nicht nur gebootet wird, sondern auch direkt die Installation komplett durchgeführt, ohne das der Benutzer eingreifen muss.
Weitergehende Informationen finden sich dazu in der Ventoy Dokumentation.
5. Fazit
Bei Ventoy handelt es sich um ein feines kleines Tool, was es zum einen ermöglicht einfacher ein neues ISO Boot Image auf einen USB Stick zu bringen, sondern man kann auch gleichzeitig mehrere verschiedene ISO-Images auf einen Stick vorhalten und beim Booten auswählen.
Und wenn man eine zusätzliche Betriebssystems-Version oder ein weiteres bootfähiges Tool benötigt, braucht dieses nur auf den USB-Stick unter /ISO kopiert werden; fertig! Auch das Image gegen ein neueres zu ersetzen, wird so zum Kinderspiel, ohne jedes mal neu den USB-Stick mit einem Tool vorzubereiten, oder mit dem Anfängerunfreundlichen Linux Bordmittel dd zu arbeiten.
Wer häufig von verschiedenen ISO Images booten muss und das ganze vielleicht sogar über das Netzwerk abwickeln möchte, der könnte iVentoy sehr praktisch finden.
