LED Matrix mit MAX7219 und ESP32 ansteuern

Einleitung

Jeder passionierte Bastler kennt das: Draußen ist es kalt und nass, der Winter zieht sich in die Länge und die Finger kribbeln nach einem neuen Projekt. So erging es mir im Winter 2025/26. Auf der Suche nach etwas Beschäftigung gegen die Langeweile kramte ich in meiner Elektronik-Krabbelkiste – und fand ein paar fertige AliExpress-Module. Darauf verbaut: Der bewährte MAX7219-Treiber-IC und die typischen 8×8 LED-Matrix-Blöcke (Modell 1088AS), die viele von uns wahrscheinlich noch irgendwo herumliegen haben.

Kurz zuvor hatte ich bereits erste Erfahrungen mit vernetzten Uhren gesammelt. Mein damaliges Projekt – eine Uhr mit LCD-Display, Power over Ethernet (PoE) zur Stromversorgung und automatischer NTP-Zeitsynchronisation – war ein voller Erfolg. Warum also nicht diese Idee aufgreifen und mit den LED-Matrix-Modulen kombinieren, um eine echte Retro-Leuchtanzeige zu bauen?

Was als lockere Spielerei auf dem Steckbrett begann, entwickelte sich schnell zu einer echten Leidenschaft. Anfänglich startete ich noch mit einem betagten ESP8266, stieß aber bei meinen wachsenden Ideen bald an dessen Grenzen. Der Wechsel auf den leistungsstärkeren und modernen ESP32 war der logische nächste Schritt. Aus dem losen Kabelgewirr der Breadboard-Phase wurde nach und nach ein echtes Produkt: Eine eigens entworfene Platine war nötig, um dem Projekt die nötige Stabilität zu verleihen.

Das Endergebnis taufe ich liebevoll „Dottie“. Dottie ist weit mehr als nur ein leuchtendes Modul: Sie besteht mittlerweile aus satten 3 Zeilen mit jeweils 8 LED-Matrix-Modulen (also insgesamt 24 Stück der 8×8-Matrizen!). Und weil eine smarte Uhr heute mehr können muss, als nur die Zeit anzuzeigen, habe ich sie mit sinnvoller Sensorik ausgestattet: Ein VEML7700 misst das Umgebungslicht für die automatische Helligkeitsanpassung, während ein BME680 als Umweltsensor kontinuierlich Temperatur, Luftfeuchtigkeit und sogar die Luftqualität (Gaswiderstand) überwacht.

In diesem Beitrag möchte ich euch allgemein zeigen, wie ihr eine LED Matrix mit dem MAX7219 und einem ESP32 ansteuert – und euch am Beispiel von Dottie inspirieren, was aus einer Handvoll Restteile entstehen kann.

Grundlagen: Der MAX7219 – Ein genialer Zweckentfremdungs-Trick

Bevor wir die Kabel zücken, lohnt sich ein tieferer Blick unter die Haube. Wer sich die Datenblätter anschaut, wird schnell feststellen: Wir nutzen die Hardware hier eigentlich völlig entgegen ihrer ursprünglichen Bestimmung.

Der MAX7219 (entwickelt von Maxim Integrated, heute Analog Devices) ist in seinem Herzen ein 7-Segment-Display-Treiber. Er wurde in den 80er und 90er Jahren entworfen, um die typischen roten Ziffernanzeigen in digitalen Messgeräten, Waagen oder Taschenrechnern anzusteuern. Er kann bis zu 8 Ziffern kontrollieren.

Warum funktioniert dieser Chip nun aber so perfekt mit unserer 8×8 LED-Matrix? Das Geheimnis liegt in der Mathematik der Anschlüsse: Eine einzelne 7-Segment-Ziffer besteht aus 7 Leuchtbalken plus einem Dezimalpunkt. Macht exakt 8 LEDs pro Ziffer. Wenn der MAX7219 also 8 solcher Ziffern ansteuern kann, kontrolliert er insgesamt 8 × 8 = 64 LEDs. Eine 8×8 LED-Matrix (wie unser Modul 1088AS) besteht aus 8 Reihen und 8 Spalten. Macht ebenfalls exakt 64 LEDs.

Für den Silizium-Chip im MAX7219 macht es absolut keinen Unterschied, wie diese 64 Leuchtdioden physikalisch auf der Platine angeordnet sind. Wir “missbrauchen” ihn also auf geniale Weise: Anstatt dass der Pin für das “Segment A” den oberen Balken einer Ziffer zum Leuchten bringt, steuert er bei uns beispielsweise die erste LED in einer Zeile an. Was für den Chip intern “Ziffer 1 bis 8” bedeutet, interpretieren wir auf unserer Platine als “Spalte 1 bis 8”. Wenn wir also ein “A” auf der Matrix zeichnen wollen, senden wir dem MAX7219 nicht etwa ein Textkommando, sondern wir sagen ihm einfach, welche “Segmente” in welchen “Ziffern” er anschalten soll, sodass sich das Muster eines “A” auf dem quadratischen Raster ergibt.

Die Magie des Multiplexing

Würde man 64 LEDs einzeln mit einem Mikrocontroller ansteuern wollen, bräuchte man theoretisch 64 einzelne Pins – ein Ding der Unmöglichkeit für Standard-Controller. Hier nimmt uns der MAX7219 die eigentliche Schwerstarbeit ab: das Multiplexing.

Die Matrix ist in einem Raster aus Reihen- und Spaltenleitungen (Anoden und Kathoden) verschaltet. Der MAX7219 schaltet nun in rasender Geschwindigkeit (etwa 800-mal pro Sekunde) immer nur eine einzige Spalte (bzw. “Ziffer”) an, lässt dort die gewünschten LEDs leuchten, schaltet sie wieder ab und geht zur nächsten Spalte über. Durch die Trägheit des menschlichen Auges verschmelzen diese blitzschnell aufblitzenden Spalten zu einem einzigen, stehenden Bild.

Zusätzlich übernimmt der IC die Strombegrenzung über einen einzigen externen Widerstand (oft 10k Ohm auf diesen Modulen), wodurch wir uns Dutzende Vorwiderstände für die LEDs sparen. Der Chip besitzt zudem einen internen Speicher (SRAM). Unser ESP-Mikrocontroller muss ihm das Bild nur ein einziges Mal über die SPI-Schnittstelle senden. Danach hält der MAX7219 das Bild völlig selbstständig aufrecht, während der ESP in Ruhe andere Dinge tun kann – wie etwa NTP-Server abfragen oder Sensorwerte (z.B. vom BME680) berechnen.

Die Anschlüsse der SPI-Schnittstelle

Die Kommunikation zwischen ESP und MAX7219 erfolgt über einen simplen, seriellen SPI-Bus (Serial Peripheral Interface). Das Schöne an den fertigen 1088AS-Modulen von AliExpress: Sie sind kaskadierbar. Sie besitzen auf der linken Seite die Eingänge und schleifen die Daten auf der rechten Seite direkt an das nächste Modul durch. Wir benötigen nur drei Datenleitungen:

  • DIN (Data In): Hier schiebt der ESP die Bits seriell (nacheinander) in den Chip.
  • CS / LOAD (Chip Select): Diese Leitung zieht der ESP auf LOW (0V), wenn er anfängt zu “sprechen”. Ist das Datenpaket komplett übertragen, zieht er sie auf HIGH. Das ist für den MAX7219 das Signal, die empfangenen Daten aus dem Schieberegister in den Anzeigespeicher zu übernehmen (Latch-Funktion).
  • CLK (Clock): Die Taktleitung. Mit jedem Taktimpuls wird ein Bit auf der DIN-Leitung in den Chip geschoben.

Was wird benötigt? Die Stückliste

Um eine solche Matrix-Uhr selbst aufzubauen, hält sich der Materialaufwand stark in Grenzen. Die Bauteile sind günstig und bei den üblichen Elektronik-Versendern problemlos zu bekommen. Hier ist die Basis-Ausstattung:

Basismaterial: Eine klassische Lochrasterplatine, Schaltdraht (oder fliegende Kabel), Stiftleisten und natürlich ein Lötkolben für den ersten Prototypen.

Mikrocontroller: Ein ESP8266 (z.B. ein Wemos D1 Mini oder NodeMCU) reicht für den ersten Einstieg völlig aus. Wer jedoch wie ich später mehr Sensorik und komplexe Web-Oberflächen einbinden möchte, greift am besten direkt zum leistungsstärkeren ESP32. Beide bieten das entscheidende Feature: Integriertes WLAN, um die exakte Uhrzeit via NTP-Server aus dem Internet abzurufen.

LED-Matrizen: Die fertigen AliExpress-Module mit dem MAX7219 IC und der 1088AS 8×8 LED-MatrixTipp: Kauft diese am besten direkt als zusammenhängende 4er- oder 8er-Blöcke. Das erspart euch eine Menge fehleranfälliger Lötarbeit zwischen den einzelnen Modulen.

Pegelwandler (Level Shifter): Ein absolutes Muss für einen stabilen Betrieb ist ein 74HCT245 (oder LS74HCT245) Bus-Transceiver. Warum wir diesen unscheinbaren Chip brauchen, erkläre ich im nächsten Abschnitt.

Stromversorgung: Ein ordentliches, stabiles 5V-Netzteil. Die Matrix-Module können bei voller Helligkeit (insbesondere, wenn viele LEDs gleichzeitig leuchten) beachtliche Ströme ziehen. Die Stromversorgung direkt über den USB-Port des ESP reicht bei größeren Aufbauten definitiv nicht mehr aus.

Basismaterial: Eine klassische Lochrasterplatine, Schaltdraht (oder fliegende Kabel), Stiftleisten und natürlich ein Lötkolben für den ersten Prototypen.

Der erste Versuch: Lochraster, ESP8266 und fliegende Kabel

Aller Anfang ist schwer – und meistens ein wenig chaotisch. Mein allererster Prototyp entstand, wie es sich für ein echtes Bastelprojekt gehört, an einem langen Winterabend komplett auf einer klassischen Lochrasterplatine. Damals bildete noch ein betagter ESP8266 das Gehirn der Uhr.

Beim ersten Zusammenstecken stieß ich direkt auf eine klassische Elektronik-Hürde, über die fast jeder beim Basteln mit modernen Mikrocontrollern irgendwann stolpert: Das Problem der Logikpegel.

Der ESP8266 (ebenso wie der ESP32) arbeitet intern mit einer Spannung von 3,3 Volt. Seine digitalen Signale auf den SPI-Leitungen haben also maximal 3,3V. Die MAX7219-Module werden jedoch mit satten 5 Volt betrieben und erwarten an ihren Dateneingängen (DIN, CS, CLK) logischerweise auch Signale, die näher an 5 Volt liegen, um eine logische “1” (HIGH) sicher zu erkennen. Schließt man die 3,3V-Datenleitungen des ESP nun direkt an den MAX7219 an, funktioniert das oft irgendwie – man wiegt sich in falscher Sicherheit. Aber spätestens wenn man mehrere Module hintereinanderhängt oder die Kabel etwas länger werden, kippt das System. Es kommt zu Flackern, Bildfehlern (“Glitches”), Datenmüll auf dem Display oder abbrechenden Signalen. Das 3,3V-Signal ist einfach nicht “stark” und eindeutig genug.

Um dieses Problem ein für alle Mal sauber zu lösen, habe ich einen 74HCT245 Bus-Transceiver auf die Lochrasterplatine gelötet. Dieser kleine Chip ist der perfekte Übersetzer und ein echter Lebensretter im Bastelalltag: Er wird mit 5V versorgt, ist aber an seinen Eingängen speziell dafür designt, auch 3,3V-Signale sicher zu akzeptieren (TTL-Kompatibilität). Er nimmt die schwachen 3,3V-SPI-Signale des ESP klaglos entgegen und hebt sie blitzschnell auf starke, saubere 5V-Signale an. Von da an verstand der MAX7219 jedes einzelne Bit perfekt.

Die Verkabelung auf der Unterseite dieser Platine war ein wildes, typisches Kunstwerk aus Lötzinn und feinen Drähten. Aber als die Schaltung fertig war, die ersten roten LEDs aufleuchteten und sich die aktuelle Uhrzeit weich scrollend über das Display schob, war das ein großartiges Gefühl.

Hier seht ihr meinen damaligen Aufbau – der Grundstein für das, was später zu “Dottie” heranwachsen sollte:

Aus dieser “fliegenden” Lochraster-Phase habe ich enorm viel gelernt. Doch mit wachsenden Ideen (mehr Zeilen, Sensoren, komplexerer Code) stieß der ESP8266 an seine Grenzen und die Kabelverbindungen waren auf Dauer schlicht zu wackelig. Das war der Punkt, an dem der Wechsel auf den ESP32 und das Design einer eigenen, professionellen Platine beschlossen wurde.

Vom Kabelverhau zum Profi-Board: KiCad und die dritte Zeile

Der Lochraster-Prototyp lief, und das war ein großartiges Gefühl. Allerdings hatte diese erste Version nur zwei Zeilen mit jeweils 8 LED-Modulen, auf denen lediglich die aktuelle Uhrzeit und das Datum angezeigt wurden. Die vielen Drähte auf der Unterseite der Platine waren zudem empfindlich – ein falscher Handgriff, und irgendwo löste sich eine Verbindung.

Es war Zeit, das Projekt auf die nächste Stufe zu heben. Um die fliegenden Kabel loszuwerden und eine solide Basis zu schaffen, wagte ich mich an die Entwicklung einer eigenen Leiterplatte (PCB). Mit der Open-Source-Software KiCad entwarf ich ein maßgeschneidertes Board für den ESP32, den Level-Shifter und die entsprechenden Stiftleisten für die Matrix-Module.

Dabei kam mir eine Idee: Wenn ich ohnehin schon eine eigene Platine designe, warum dann bei zwei Zeilen bleiben? Der Platz gab mehr her, also erweiterte ich das Layout auf drei Zeilen à 8 Module (insgesamt also 24 kleine 8×8-Matrizen). Plötzlich hatte ich eine riesige Anzeigefläche zur Verfügung!

Zudem wollte ich ein Feature aus einem früheren Projekt übernehmen: Bei meiner alten PoE-NTP-Uhr hatte ich exzellente Erfahrungen mit dem VEML7700 gemacht. Das ist ein hochpräziser Lichtsensor, der nicht nur stupide hell/dunkel unterscheidet, sondern das Umgebungslicht logarithmisch erfasst – ähnlich wie das menschliche Auge. Das macht ihn perfekt, um die Helligkeit der LED-Matrix abends sanft herunterzudimmen, damit die Uhr im Dunkeln nicht blendet. Dieser Sensor bekam also direkt seinen festen Platz auf der neuen Platine.

Mehr als nur der Wochentag: Der Bosch BME680 Umweltsensor

Die neue, dritte LED-Zeile war ursprünglich eigentlich nur dafür gedacht, den Wochentag voll ausgeschrieben anzuzeigen. Doch irgendwie schien das eine Verschwendung der vielen leuchtenden Pixel zu sein. Mir gefiel der Gedanke, der Uhr noch mehr Leben einzuhauchen und einen echten Mehrwert für den Raum zu schaffen.

Die Lösung war schnell gefunden: Ein Umweltsensor musste her! So lässt sich die untere Zeile perfekt nutzen, um im Wechsel den Wochentag und spannende Raumdaten als Laufschrift (Scrolltext) durchlaufen zu lassen. Die Wahl fiel auf ein echtes Kraftpaket unter den Sensoren: den Bosch BME680.

Aber was macht diesen Sensor so besonders? Der BME680 von Bosch Sensortec ist ein echtes Multitalent und quasi ein komplettes Wetterstudio auf der Fläche eines Stecknadelkopfes (das Bauteil selbst misst winzige 3 x 3 Millimeter!). Er kombiniert gleich vier verschiedene Messfunktionen in einem einzigen Chip:

  1. Temperatur: Sehr präzise Messung der Raumtemperatur.
  2. Luftfeuchtigkeit: Wichtig, um Schimmelbildung vorzubeugen oder trockene Heizungsluft zu erkennen.
  3. Barometrischer Luftdruck: Die Messung des absoluten Umgebungsdrucks.
  4. Gaswiderstand (VOCs): Das ist das eigentliche Highlight des BME680. Er besitzt eine kleine, integrierte Heizplatte, die sogenannte flüchtige organische Verbindungen (VOCs – Volatile Organic Compounds) in der Atemluft messen kann. Dazu gehören beispielsweise Ausdünstungen von Möbeln, Reinigungsmitteln oder einfach die verbrauchte Atemluft (C02-Äquivalent), wenn sich viele Menschen in einem Raum befinden.

Über den Gaswiderstand und die Luftfeuchtigkeit lässt sich ein sogenannter Indoor Air Quality (IAQ) Index errechnen. Meine Uhr “Dottie” kann mich also dank des BME680 nicht nur über die Zeit informieren, sondern warnt mich auch aktiv, wenn es wieder einmal Zeit ist, das Fenster zum Lüften aufzureißen! Ein geniales Upgrade, das die Uhr erst zu einem echten Smart-Home-Gadget macht.

Das fertige Projekt: Darf ich vorstellen – Dottie!

Nach unzähligen Testläufen, Software-Optimierungen und dem Warten auf die fertige Platine war es endlich so weit. Aus dem losen Steckbrett-Versuch ist eine massive, dreizeilige Leuchtanzeige geworden. Das Endergebnis taufe ich liebevoll “Dottie”.

Die drei Zeilen bieten nun genau die Übersicht, die ich mir vorgestellt hatte. Die oberen beiden Reihen sind reserviert für die klassische Anzeige von Uhrzeit und Datum. Doch statt die Ziffern einfach nur hart umzuschalten, habe ich der Software einen weichen Scrolleffekt spendiert: Bei jedem Minutenwechsel schieben sich die alten Ziffern sanft nach oben aus dem Bild, während die neuen Ziffern von unten nachrücken. Das verleiht der Uhr einen unglaublich flüssigen und modernen Retro-Charme.

Die dritte, unterste Zeile ist das eigentliche Highlight für die Umweltdaten. Sie dient als Ticker: Hier läuft zunächst geschmeidig der voll ausgeschriebene Wochentag als Laufschrift (Scrolltext) durch das Bild. Darauf folgen, nahtlos im Wechsel, die frisch gemessenen Daten des Bosch BME680 Sensors – also die aktuelle Raumtemperatur, die Luftfeuchtigkeit und der Luftdruck. Durch den VEML7700 Lichtsensor passt Dottie die Helligkeit all dieser Animationen völlig automatisch an das Umgebungslicht an, sodass die roten LEDs tagsüber brillant leuchten und nachts beim Schlafen nicht stören.

Aber Bilder (und Videos) sagen bekanntlich mehr als tausend Worte. Hier seht ihr die fertige Platine in Aktion:

Auf dem ersten Bild erkennt man den Standard-Zustand: Die klare, gut lesbare Anzeige von Uhrzeit und Datum auf den oberen beiden Zeilen.

Auf dem zweiten Bild habe ich genau den Moment eingefangen, in dem Dottie in der unteren Zeile die aktuellen Umweltdaten des BME680 präsentiert.

Und um den wirklich coolen Scrolleffekt der Ziffern von unten nach oben in Aktion zu sehen, sowie den fliegenden Wechsel zwischen Wochentag und Sensordaten in der dritten Zeile, habe ich noch ein kurzes Video für euch aufgenommen. Achtet mal auf den geschmeidigen Übergang der Minuten!

Die Schaltzentrale: Das Webinterface und die 24h-Historie

Ein ESP32 wäre kein echtes IoT-Device (Internet of Things), wenn man ihn nur über Code flashen und konfigurieren könnte. Dottie sollte bequem vom Sofa aus bedienbar sein. Deshalb habe ich ihr einen eigenen, kleinen Webserver spendiert, der eine umfangreiche Konfigurationsoberfläche im lokalen Netzwerk bereitstellt.

Über den Browser (dank mDNS auch ganz einfach über einen individuell konfigurierbaren Hostnamen erreichbar) landet man direkt im Dashboard der Uhr. Hier lässt sich quasi alles an Dotties Verhalten feintunen. Man kann beispielsweise:

  • WLAN- und Netzwerkdaten anpassen.
  • Display-Optionen konfigurieren: Soll in der 3. Zeile nur der Wochentag stehen? Nur die Umweltdaten? Oder sollen sich beide im Wechsel abwechseln?
  • Schriftarten wählen: Das System erlaubt es sogar, getrennte Schriftarten für die klassische Anzeige und die Laufschriften einzustellen.
  • NTP-Einstellungen für den Zeitserver verwalten.

Ein weiteres, extrem praktisches Feature ist die OTA-Update-Fähigkeit (Over-The-Air). Wenn ich heute eine neue Funktion in die Firmware programmiere, muss ich die Uhr nicht mehr mühsam von der Wand nehmen und per USB-Kabel an den Rechner hängen. Das Update wird einfach mit wenigen Klicks kabellos über das Webinterface auf den ESP32 hochgeladen und installiert.

Umweltdaten im Blick: Die 24-Stunden-Historie

Da der BME680-Sensor den ganzen Tag fleißig Daten sammelt, wollte ich diese nicht nur flüchtig auf der LED-Matrix aufblinken lassen. Ich wollte sehen, wie sich das Raumklima entwickelt!

Dafür zeichnet der ESP32 nun im Hintergrund alle 5 Minuten einen Messwert auf (Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftdruck und den errechneten Luftqualitäts-Index). Diese Werte werden in einem Ringpuffer im Arbeitsspeicher gehalten und zur Sicherheit stündlich in den internen Flash-Speicher (LittleFS) geschrieben – so gehen die Kurven auch bei einem Stromausfall nicht verloren.

Ruft man nun im Webinterface den Reiter für die Umweltdaten auf, generiert der ESP32 aus diesen gesammelten Datenpunkten anschauliche Graphen. Das Besondere daran: Die Kurven werden rein clientseitig als skalierbare Vektorgrafik (SVG) gerendert. Es werden also keine externen Grafik-Bibliotheken aus dem Internet nachgeladen! Um den Arbeitsspeicher des ESP32 zu schonen (und eine Heap-Fragmentierung zu vermeiden), werden die JSON-Daten für die Historie beim Abruf live gestreamt.

Hier ist ein Screenshot aus dem Webinterface, der wunderbar zeigt, wie sich die Temperatur und Luftqualität in meinem Raum über den Tag hinweg verhalten haben:

So hat man stets im Blick, ob die Raumluft zu trocken wird oder wann nach einem langen Bastelabend mal wieder dringend gelüftet werden muss.

Ein Sicherheitsnetz für den WLAN-Ausfall: Die DS3231 RTC

Ein wichtiges Hardware-Detail hätte ich fast unterschlagen: Was passiert eigentlich mit einer smarten, NTP-basierten WLAN-Uhr, wenn mal der Router streikt oder das Internet ausfällt? Ein gewöhnlicher ESP32 verliert bei einem Neustart ohne WLAN gnadenlos jegliches Zeitgefühl.

Damit Dottie auch in einem solchen Szenario absolut autark und verlässlich bleibt, habe ich zusätzlich eine DS3231 Echtzeituhr (RTC – Real Time Clock) auf der Platine integriert. Dieser kleine Chip ist temperaturkompensiert, extrem präzise und wird von einer eigenen kleinen Knopfzelle gepuffert.

Im normalen Alltag holt sich der ESP32 die exakte Atomzeit über das NTP-Protokoll aus dem Internet und stellt damit nicht nur seine interne Software-Uhr, sondern synchronisiert auch regelmäßig die DS3231. Fällt das WLAN nun aber tatsächlich mal aus, übernimmt die DS3231 nahtlos als hochpräziser Taktgeber. Die Uhr läuft also auch ohne Netzwerkverbindung monatelang sekundengenau weiter. Ein echter Ausfallschutz, der die Uhr absolut alltagstauglich macht! Ein fehlender NTP-Sync wird übrigens dezent signalisiert: Wenn die Uhr länger als eine Stunde keinen Zeitabgleich durchführen konnte, fängt der Doppelpunkt zwischen Stunden und Minuten an zu blinken.

Fazit: Von der Krabbelkiste zum Smart-Home-Eyecatcher

Rückblickend ist es faszinierend, was aus einer spontanen Idee an einem Winterabend und ein paar günstigen AliExpress-Modulen geworden ist. Der “Missbrauch” des MAX7219 als Matrix-Treiber ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie kreativ man in der Elektronik mit etablierten Standards umgehen kann.

Aus dem wackeligen Lochraster-Prototyp mit ESP8266 und Pegelwandler-Problemen ist mit Dottie ein ausgereiftes Projekt entstanden. Der Wechsel auf den leistungsstarken ESP32 hat es überhaupt erst möglich gemacht, rechenintensive Aufgaben wie die weichen Scrolleffekte der Matrix, die Webserver-Bereitstellung, die I2C-Kommunikation mit den Sensoren (DS3231, VEML7700, BME680) und das parallele Aufzeichnen der 24-Stunden-Umwelthistorie stabil auf zwei Prozessorkernen (Multicore) laufen zu lassen.

Wer jetzt Lust bekommen hat, den Lötkolben anzuheizen und sich selbst eine smarte LED-Matrix-Uhr zu bauen, für den habe ich gute Nachrichten: Das gesamte Projekt “Dottie” – von den Schaltplänen und KiCad-Dateien für die Platine bis hin zum kompletten, optimierten C++ Code für PlatformIO – ist Open Source!

Ihr findet alle Daten, die Firmware und detaillierte Anleitungen in meinem Codeberg-Repository: 🔗 Dottie – The Matrix Clock auf Codeberg

Schaut gerne vorbei, nutzt den Code als Inspiration für eure eigenen Projekte oder baut Dottie einfach 1:1 nach. Bei Fragen oder Verbesserungsvorschlägen könnt ihr natürlich gerne die Issue-Funktion auf Codeberg nutzen oder hier einen Kommentar hinterlassen.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Basteln, Flashen und Leuchtenlassen!

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