Einführung
Leider konnte nicht herausgefunden werden, wer einst der eigentliche Entwickler dieser Karte ist. Sie wurde von den Firmen JANN Datentechnik aus Berlin, REX Datentechnik aus Hagen und WAW Elektronik aus Berlin vertrieben. Die Karte von WAW Elektronik scheint eine leicht abgespeckte Version zu sein, da die Versionen von JANN und REX einen zusätzlichen Anschluss für eine weitere Erweiterungskarte sowie eine IEEE-488-Buchse auf der Platine enthielten.
Es gibt entsprechende Kernel-Versionen aller drei Varianten, die sich jedoch nur in der Power-on-Meldung unterscheiden. Ansonsten sind die Dateien identisch. Im Internet konnten die folgenden Karten gefunden werden:
Die Karte von JANN Datentechnik:

Die Karte von REX Datentechnik:

Und die Karte von WAW Elektronik:

Der Aufbau aller drei Karten ist identisch, nur die Anordnung der Bauteile und Anschlüsse unterscheidet sich leicht im Detail. Wie bereits erwähnt, sind die verschiedenen Kernel-ROMs bis auf die Power-on-Meldung absolut identisch.
Die Karte selbst verwendet einen 6821 PIA-Chip. Die üblichen IEEE-488-Treiber 75160 und 75161 werden nicht verwendet. Wenn jedoch nur ein Gerät an den IEEE-488-Bus angeschlossen ist und die Kabellänge im üblichen Bereich von etwa 1,5 m bleibt, sind aufgrund des Stromverbrauchs keine Probleme zu erwarten. Diese Karte hat bereits einige Jahrzehnte auf dem Buckel und bisher sind keine negativen Berichte oder Defekte aufgrund dieser Karte bekannt.
Auch bei den Tests konnten keine Probleme festgestellt werden. In Foren gibt es viele Empfehlungen für diese Kartenserie. Besonders gefällt der Kernel, der mit zahlreichen Funktionen aufwartet.
Im Internet sind die Kernel-Dateien zu finden, aber leider konnte kein Schaltplan gefunden werden. Daher musste der Schaltplan aus alten Bildern, die im Internet gefunden wurden, rekonstruiert werden. Da die Platine nur ein doppelseitiges Layout hatte, war die Rekonstruktion relativ einfach.
Es wurde die WAW-Version gewählt, da diese am einfachsten zu bauen und nachzuvollziehen war. Der erste Schritt bestand darin, eine 1:1-Zeichnung der alten Platine anzufertigen.
Vorderseite der neuen Zeichnung:

Daraus konnte der Schaltplan abgeleitet werden:

Anschließend wurde in KiCad eine Platine dafür erstellt. Zusätzlich wurde die IEEE-488-Schnittstelle als Platinenanschluss implementiert. So kann das Standard-Commodore-IEEE-488-Kabel verwendet werden, das immer bei den Commodore-IEEE-488-Laufwerken mitgeliefert wurde, und es wird kein Adapter oder spezielles Kabel benötigt. Der bekannte GBIP- („Centronics“-) Anschluss ist ebenfalls vorhanden.

Die Stückliste für die Platine sieht wie folgt aus:
Kondensatoren
- C1 – C4: 100nF keramische Schreibkondensatoren mit 2,5 mm Rastermaß
Widerstände
- R1, R2: 1k Ohm
- RN1: 10k Ohm Widerstandsnetzwerk, Sternschaltung, SIL 7-6
- RN2: 10k Ohm Widerstandsnetzwerk, Sternschaltung, SIL 6-5
Schalter
- SW1, SW2: 1x 6-fach DIP-Schalter (einer für SW1 & SW2 zusammen)
ICs
- U1: 74LS00
- U2: 74LS11
- U3: 6821P oder 6321
- U4: EPROM 27C64 oder 27C128, je nach Kernel
Anschlüsse
- CN3: Pfostenstecker 2×12-polig
- GBIP-Buchse (Centronics) 2×12-polig
- J2: Stiftleiste 2×12-polig
Viele Teile sind nicht erforderlich, wodurch die Kosten ebenfalls gering bleiben. Am günstigsten ist der 6821P bei UTsource zu bekommen, dort kostet der MC6821P 1,80 Euro. Auf eBay sind die Preise deutlich höher. Der Versand dauert jedoch länger, da er aus Asien erfolgt.
Und so sieht die zusammengebaute Platine aus:

Dies ist die günstigste Möglichkeit, eine IEEE-488-Karte für den Commodore 64 oder 128 zu bauen. Bis jetzt wurde diese Karte erfolgreich in einem Commodore 64 getestet. Nach dem Wechsel des EPROMs sollte sie jedoch auch nativ auf dem Commodore C128 funktionieren.
Download
Auf dem Codeberg-Account sind alle Dateien zum Nachbau der Karte zu finden: https://codeberg.org/diwou/IEC64
