Debian Version 8 “Jessie” auf Version 9 “Stretch” upgraden

Das regelmäßige Aktualisieren eines Betriebssystems ist entscheidend, um von verbesserten Funktionen, Sicherheitsupdates und neuer Softwareunterstützung zu profitieren. Das Upgrade von Debian 8 auf Debian 9 bringt verschiedene Vorteile mit sich, darunter:

  1. Sicherheitsaktualisierungen: Neue Debian-Versionen beinhalten Sicherheitsupdates, die die Stabilität und Sicherheit des Systems verbessern. Mit Debian 9 erhalten Sie Zugriff auf aktuelle Sicherheitspatches, die dazu beitragen, Ihr System vor bekannten Schwachstellen zu schützen.
  2. Neue Softwareversionen: Debian 9 bringt aktualisierte Softwareversionen für viele Pakete mit sich. Dies ermöglicht den Zugriff auf neue Funktionen, Verbesserungen und möglicherweise eine bessere Leistung.
  3. Aktuelle Hardwareunterstützung: Mit fortschreitender Entwicklung werden neue Hardwarekomponenten veröffentlicht. Debian 9 enthält möglicherweise aktualisierte Treiber und Firmware, um eine bessere Unterstützung für neuere Hardwaremodelle zu bieten.
  4. Langzeitunterstützung (LTS): Debian 9 ist eine LTS-Version, was bedeutet, dass es für einen längeren Zeitraum mit Sicherheitsupdates versorgt wird. Dies ermöglicht eine stabilere und unterstützte Umgebung über einen längeren Zeitraum.

Potenzielle Probleme und Überlegungen:

  1. Paket-Kompatibilität: Einige ältere Pakete, die unter Debian 8 installiert sind, könnten möglicherweise nicht direkt mit den neueren Bibliotheks- und Abhängigkeitsversionen in Debian 9 kompatibel sein. Dies könnte zu Konflikten führen, die vor dem Upgrade überprüft werden sollten.
  2. Angepasste Konfigurationen: Wenn Sie spezielle Konfigurationen für bestimmte Dienste oder Anwendungen vorgenommen haben, könnte das Upgrade diese Konfigurationen beeinträchtigen oder erfordern, dass Sie Anpassungen vornehmen, um die Kompatibilität sicherzustellen.
  3. Datensicherung: Es ist unerlässlich, vor dem Upgrade eine umfassende Datensicherung durchzuführen. Obwohl ein Upgrade in der Regel reibungslos verläuft, minimiert eine Sicherung das Risiko von Datenverlust und ermöglicht eine schnelle Wiederherstellung im Falle unvorhergesehener Probleme.
  4. Drittanbieter-Software: Wenn Sie Software von Drittanbietern oder nicht offiziellen Quellen installiert haben, müssen Sie sicherstellen, dass diese mit Debian 9 kompatibel ist oder alternative Lösungen finden, bevor Sie das Upgrade durchführen.

Durch die Berücksichtigung dieser Überlegungen und die sorgfältige Planung können Benutzer ein reibungsloses Upgrade von Debian 8 auf Debian 9 durchführen und gleichzeitig die Vorteile der neuesten Funktionen und Sicherheitsupdates nutzen.



Aktuelles “altes” System aktualisieren und aufräumen

Als erstes sollte das jetzige Debian 8 auf den neuesten Stand gebracht werden:

$ sudo apt-get update
$ sudo apt-get upgrade
$ sudo apt-get full-upgrade

Danach die Paketverwaltung aufräumen und unter anderem Pakete löschen, die nicht mehr benötigt werden:

$ sudo apt-get autoremove
$ sudo apt-get autoclean

Backup


Ein Backup ist von entscheidender Bedeutung, wenn es um das Upgrade des Betriebssystems geht. Auch wenn das Debian-Upgrade in der Regel reibungslos verläuft, können unvorhergesehene Probleme auftreten, die zu Datenverlust führen könnten. Hier sind einige wichtige Überlegungen zum Thema Backup und wie man es durchführt:

Warum ist ein Backup wichtig?

  1. Datenverlust verhindern: Während des Upgrades besteht das Risiko, dass Dateien beschädigt oder gelöscht werden. Ein Backup stellt sicher, dass im Falle von Problemen auf eine sichere Kopie Ihrer Daten zugegriffen werden kann.
  2. Rollback-Option: Falls das Upgrade unerwartete Probleme verursacht und zu Debian 8 zurückgekehrt werden muss, ermöglicht ein Backup den einfachen Rollback auf das vorherige System.
  3. Wiederherstellung der Konfiguration: Wenn spezielle Konfigurationen oder Einstellungen vorgenommen wurden, können diese mit einem Backup schnell wiederhergestellt werden, falls sie während des Upgrades verloren gehen.

Wie erstellt man ein Backup vor dem Debian-Upgrade?

  1. Daten sichern:
    • Alle wichtigen Daten, Dateien und Verzeichnisse auf externe Speichermedien, eine externe Festplatte oder in die Cloud kopieren.
    • Überprüfen, ob alle wichtigen Konfigurationsdateien gesichert wurden.
  2. Erstellen eines Image des Betriebssystems:
    • Verwendung von Werkzeuge wie Clonezilla, um ein Abbild des gesamten Betriebssystems zu erstellen. Dies ermöglicht eine umfassende Wiederherstellung des Systems im Falle von Problemen.
  3. Datenbanken sichern:
    • Wenn Datenbanken verwendet werden, diese mit geeigneten Werkzeugen wie mysqldump für MySQL oder pg_dump für PostgreSQL sichern.
  4. Liste der installierten Pakete sichern:
    • Erstellen einer Liste der auf dem System installierten Pakete. Dies kann bei der Neuinstallation oder Wiederherstellung helfen.
  5. Notieren von speziellen Konfigurationen:
    • Eine Liste der Anwendungen und Dienste anfertigen, für die spezielle Konfigurationen vorgenommen wurden, um sicherzustellen, dass diese nach dem Upgrade wiederhergestellt werden können.

Nach dem Backup:

  1. Überprüfen des Backup:
    • Sicher stellen, dass das Backup erfolgreich war und alle wichtigen Daten enthält.
  2. Testen der Wiederherstellung:
    • Ausprobieren der Wiederherstellung auf einem Testsystem aus, um sicherzustellen, dass das Backup vollständig und funktionsfähig ist.
  3. Fortfahren mit dem Debian-Upgrade:
    • Nachdem sicher ist, dass das Backup erfolgreich ist, kann mit dem Debian-Upgrade fortgefahren werden.

Das Erstellen eines umfassenden Backups und die sorgfältige Überprüfung der gesicherten Daten sind entscheidende Schritte, um mögliche Risiken beim Upgrade zu minimieren. Es ist besser, im Voraus Zeit für ein gründliches Backup aufzuwenden, um unangenehme Überraschungen während des Upgrade-Prozesses zu vermeiden.

Um eine Liste der derzeit erzeugten Pakete auszugeben und in eine Textdatei zu schreiben:

$ dpkg --get-selections | awk '$2 == "install" {print $1}' > installierte_pakete.txt

Die Datei dann unbedingt auf einem externen Medium speichern, zum Beispiel USB-Stick. Und wenn kein komplettes Backup erstellt werden soll, dann zumindest das /etc und /home Verzeichnis auf einem externen Datenträger speichern.


Vorbereitungen zum Upgrade

Nun müssen die Repositories der Paketverwaltung auf das neue “stretch” Release abgeändert werden. Dazu müssen in der Datei /etc/apt/source.list alle Bezeichner mit dem Namen “jessie” gegen “stretch” (jeweils ohne Anführungszeichen in der Datei) ausgetauscht werden. Entweder macht man dies manuell über einen Editor wie vi oder über die Konsole direkt per sed Befehl:

$ sudo sed -i 's/jessie/stretch/g' /etc/apt/sources.list

Jetzt sollte im Verzeichnis /etc/apt/source.list.d kontrolliert werden, ob dort noch weitere Dateien mit Paketquellen stehen. Diese müssen ebenfalls abgeändert werden. Normalerweise ist das Verfahren gleich dem, was auch bei der Datei /etc/apt/source.list zum tragen kommt. Sollte man aber Paketquellen von anderen Distributionen dort mal eingetragen haben, sollte man diese zunächst auskommentieren, indem man an den Dateinamen ein .old anhängt. Diese Repositories müssen dann später manuell angepasst werden, sofern notwendig.


Upgrade durchführen

Erster Schritt wäre ein normales Update:

$ sudo apt-get update
$ sudo apt-get upgrade --without-new-pkgs

Damit nur Pakete upgedatet werden und ggf. Abhängigkeiten aufgelöst werden, sollte der Parameter –without-new-pkgs genutzt werden. So werden noch keine weiteren Pakete installiert, die ansonsten bei Debian Version 9 Standard wären.

Und nun wird die Distribution auf die Version 9 “stretch” aktualisiert:

$ sudo apt-get full-upgrade

Das dauert nun einige Zeit. Wenn der Upgrade durchgelaufen ist, muss das System neu gestartet werden:

$ sudo reboot

Nach dem ersten Neustart

Jetzt kann überprüft werden, ob wirklich die Version auf das neue Relase gebracht wurde:

$ lsb_release -a

Und als Ergebnis sollte folgendes kommen:

No LSB modules are available.
Distributor ID: Debian
Description:    Debian GNU/Linux 9 (stretch)
Release:        9
Codename:       stretch

Aufräumen nach dem Upgrade

Zur Sicherheit sollte jetzt noch mal ein Update durchgeführt und anschließend die Paketverwaltung gesäubert werden:

$ sudo apt-get update
$ sudo apt-get upgrade
$ sudo apt-get autoremove
$ sudo apt-get autoclean

Damit ist der Releasewechsel auf Debian 9 “stretch” grundsätzlich abgeschlossen. Sofern manuell Pakete abseits der Paketverwaltung in der Vergangenheit installiert wurden, müssen diese natürlich nun auch wieder manuell auf den neuesten Stand, sofern nötig und möglich, gebracht werden.


Fazit

Das Upgrade eines Debian-Systems auf eine neuere Version ist eine sinnvolle Maßnahme, um von verbesserten Funktionen, Sicherheitsupdates und neuer Softwareunterstützung zu profitieren. In der Regel verläuft der Releasewechsel recht unkompliziert, vorausgesetzt, man gehst mit Bedacht vor.

Das Debian-Team stellt detaillierte Anleitungen und Release-Notes bereit, die den Prozess erleichtern. Ein gut vorbereitetes Backup ist dabei entscheidend, um möglichen Datenverlust vorzubeugen. Das Aktualisieren der Paketquellen, das Überprüfen von Konflikten und das Anpassen von speziellen Konfigurationen sind Schritte, die mit Vorsicht angegangen werden sollten.

Während des Upgrades ist es ratsam, ausreichend Zeit einzuplanen und sicherzustellen, dass Software von Drittanbietern kompatibel ist. Ein weiterer wichtiger Schritt ist das Testen der Wiederherstellung des Backups, um sicherzustellen, dass im Falle von Problemen eine reibungslose Rückkehr zum vorherigen System möglich ist.

Insgesamt ist ein Debian-Upgrade eine lohnende Maßnahme, um ein stabileres, sichereres und funktionsreicheres System zu gewährleisten. Mit einer sorgfältigen Vorbereitung und Beachtung der empfohlenen Schritte sollte der Prozess reibungslos verlaufen.

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