Commodore CP/M-Modul zerlegt und nachgebaut

Viel wurde bereits über die Geschichte dieses Moduls geschrieben. Daher wird an dieser Stelle auf die teilweise traurige Geschichte verzichtet.

Der Beitrag konzentriert sich vielmehr auf den Nachbau dieses Moduls.

Da damals nicht viele Module verkauft wurden, handelt es sich um eine kleine Rarität. Oder einfach nur, um es auszuprobieren. Meiner Meinung nach lohnt es sich auf jeden Fall, diese Cartridge nachzubauen.


In den 80er Jahren konnte das Modul gebraucht irgendwo gefunden werden. Zu dieser Zeit gab es leider kein Internet und vor allem keine Möglichkeiten, Disketten zu konvertieren oder über einen PC (den man damals auch nicht hatte) auf eine Diskette zu schreiben.

So war das Modul und die CP/M-Systemdisk vorhanden, aber keine weitere Software. CP/M war zu dieser Zeit schon vom Kaypro und vom Apple II bekannt.

Da diese Cartridge nur mit dem Commodore 1541 Diskettenlaufwerk funktioniert, konnten die Disketten vom Kaypro oder Apple II nicht auf dem Commodore verwendet werden. So verschwand das Modul irgendwann im Keller.

Diese Cartridge tauchte somit als Quasi-Kellerfund wieder auf, auch wenn es dieses Mal der eigene Keller war.

Das Modul funktionierte sogar noch. Und zum ersten Mal konnten verschiedene Programme wie Turbo Pascal oder Zork darauf ausgeführt werden.

Da es ein Teil der Commodore-Geschichte ist, wäre es eine gute Gelegenheit, dieses Modul nachzubauen.

Es gibt verschiedene Schaltpläne für dieses Modul im Internet, aber keiner scheint auf Funktion oder Korrektheit überprüft worden zu sein. Es gibt immer wieder kleine Abweichungen, die dazu führten, einen eigenen Schaltplan zu erstellen.

Der Schaltplan

Die Platine ist eigentlich recht übersichtlich und die Anzahl der Bauteile hält sich in Grenzen. Leider ist kein einziges IC gesockelt.

Es wäre möglich, die einzelnen Verbindungen durch Messen und Nachverfolgen der Leiterbahnen zu entwirren. Das Problem sind jedoch die Leiterbahnen, die unter den ICs verlaufen.

Daher wurde die Platine vollständig von ihren Bauteilen befreit. Alles wurde ausgelötet. Mit der nötigen Ausrüstung in Form einer professionellen Löt-/Entlötstation JBC DMSE-2QA war dies auch kein Problem.

Vor allem konnte dies ohne Beschädigung der Lötaugen oder Leiterbahnen durchgeführt werden.

Anschließend wurden die beiden Platinen mit einem Flachbettscanner gescannt.

So lagen saubere Vorder- und Rückseiten der Platine vor.


Nun musste jede einzelne Leiterbahn nachverfolgt werden. Dies war tatsächlich die meiste Arbeit, wobei hier besondere Aufmerksamkeit erforderlich war.

Es gibt immer wieder kleine Verbindungen direkt zwischen zwei Lötaugen, die nicht sofort auffallen.

So entstand die erste Platine, aus der direkt Gerber-Dateien erzeugt werden konnten. Der Schaltplan war jedoch noch nicht vorhanden.

Es gibt Werkzeuge, die versuchen, daraus einen Schaltplan zu erstellen, aber erfahrungsgemäß erfordert dies mehr Nacharbeit als das Zeichnen eines neuen Schaltplans.

Commodore CP/M Cartridge"Erste PCB"

Nun konnte jede einzelne Verbindung in einem Layout-Programm nachvollzogen werden.

So entstand das folgende Layout.

Commodore CP/M CartridgeSchaltplan

Alle Dateien, einschließlich dieses Schaltplans als PDF, sind auf GitHub verfügbar. Der Link ist am Ende dieses Beitrags zu finden.

Aus diesem Layout wurde eine neue Platine erstellt. Die Abmessungen entsprechen dem Original. Auch die Bauteilpositionen sind gleich, auch wenn einige Komponenten in ihrer Größe an aktuelle Bauteile angepasst wurden.

So sah die neue Platine im Computermodell aus.

Commodore CP/M CartridgeNachbau Platine

Als 3D-Modell sieht sie fast aus wie das Original.

Commodore CP/M Cartridge3D-Modell

Und so sieht die fertig montierte Platine aus:

Fertige Nachbildung

Download

Wer die Cartridge nachbauen möchte, findet alle notwendigen Dateien und Informationen auf dem Codeberg-Account: Codeberg-Link

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